Nanz Ried Zenneck & Partner

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Familienmediation

  • Wer behält die Ehewohnung?
  • Wer versorgt die Kinder?
  • Wie oft und wann darf der andere Elternteil die Kinder zu sich nehmen?
  • Gibt es einen Unterhaltsanspruch und wie hoch ist er?
  • Wie wird der Zugewinn aufgeteilt, und soll das schon jetzt sein?
  • Wer überträgt wem etwas von seinem Renten- oder Pensionskonto?
  • Ist der Ehevertrag überhaupt gültig?
   


Oft entsteht über eine Trennung ein erbitterter Streit, und nicht selten gerät eine finanziell solide Familie durch die Trennung in sehr beengte Verhältnisse. Wo vorher einmal Liebe war, und man als Paar am selben Strang zog, ist in vielen Fällen Unverständnis, Schweigen, Verletzung und Zukunftsangst. Dazu kommt es nicht selten vor, dass die Ehepartner sich nicht ebenbürtig fühlen, und einer der beiden sich kein Gehör verschaffen kann.

Das sind sicherlich keine Bedingungen, unter denen es leicht ist, interessengerechte und vernünftige Lösungen zu finden!

Sehr oft bedeutet der herkömmlichen Weg, einen Rechtsanwalt aufzusuchen, Forderungen zu stellen, und dann das Gericht in Anspruch zu nehmen, was oft eine zerstörerische Verhärtung der Fronten bedeutet. Je nach dem, was alles zum Thema eines Gerichtsverfahrens gemacht wird, dauert es häufig Jahre bis zu einer Entscheidung und bringt eine immense finanzielle  Belastung durch Anwalts-, Gerichts- und Gutachterkosten mit sich.


Was ist Mediation?

Die Mediation ist ein Verfahren zur konstruktiven Auflösung solcher Konfliktsituationen, gerade weil der Ursprung nicht immer in der offensichtlichen Problematik selbst steckt, sondern tiefer. Weil viel Emotion in einer Auseinandersetzung der Ehe steckt und sich im Laufe der Partnerschaft unweigerlich Verhaltensmuster gebildet haben und Rollen eingenommen worden sind, die in der Trennungsphase nicht mehr passen, ist es schwierig, den Blick frei zu haben für die wahren (eigenen) Interessen. Hier kann ich als Mediator helfen, indem ich Ihnen den Raum gebe für Vertrauen, für den Blick in die Zukunft und für eigenverantwortliches Denken.

Oft ist es gut, zunächst vorläufige Vereinbarungen zu dringenden Bedürfnissen zu schließen, um im weiteren Mediationsverlauf mit Ruhe und ohne Not zu allen Problemkreisen Lösungen zu suchen.

Wenn es gelingt, nicht nur den eigenen Bedürfnissen, sondern auch denen des Anderen  Raum zu geben, ist der Weg zu einer Lösung eigentlich schon frei, die es beispielsweise möglich macht, auch nach Trennung und Scheidung gemeinsam eine gute Elternrolle einzunehmen.

Entscheidungen werden nur gemeinsam und freiwillig getroffen. Sie beruhen immer darauf, dass jeder voll informiert ist über alle sachbezogenen Umstände, aber auch über die mögliche Rechtslage. Das gehört natürlich genauso zu einer Mediation, wie es in einem Gerichtsverfahren wünschenswert wäre.

Erfahrungsgemäß sind durch die Mediation erstaunlich schnelle und sachgerechte Lösungen erzielbar. Sehr hilfreich für eine anschließende Scheidung ist die Erarbeitung einer umfassenden Vereinbarung, die Dauer und Kosten des Scheidungsverfahrens auf einen Bruchteil reduziert.

Mehr Information auch unter:    

www.mediationszentrale-muenchen.de
www.bmev.de

Wie verläuft eine Mediation?

Es gibt fünf Phasen:

  1. Arbeitsbündnis (hier wird vereinbart, wie das Verfahren gestaltet wird und welche  Regeln gelten),
  2. Bestandsaufnahme der Themenbereiche (Darlegung der einzelnen Positionen jeder Partei und Erarbeitung der Problemkreise),
  3. Konfliktbearbeitung (Information, Ursachenforschung, Bedürfnis- und Interessenerforschung),
  4. Einigung (Optionenbildung, Evaluierung, Abwägung, Prüfung – auch im Verhältnis zu der vorgestellten Rechtslage),
  5. Ergebnis (Implementierung der Einigung ggf. durch Vertragsgestaltung).


In der Regel läuft ein Mediationsverfahren also über mindestens vier Sitzungen, die je eine bis eineinhalb Stunden dauern. Die Anzahl der benötigten Sitzungen hängt vom Einzelfall ab. Die Phase V muss nicht zwingend im Rahmen der Mediation stattfinden.


Gibt es eine gesetzliche Regelung zu diesem Verfahren?

Mit dem Gesetz zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren zur außergerichtlichen Konfliktbeilegung vom 21. Juli 2012 hat die Bundesrepublik Deutschland die entsprechende EU-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt.

Zum Gesetzestext: http://www.gesetze-im-internet.de/mediationsg/index.html

Aber auch in der Zivilprozessordnung (ZPO) und im Gesetz zum Verfahren in Familiensachen und Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) wurde die Mediation aufgenommen.

Vorgeschrieben ist jetzt allgemein, dass in Klage- und Antragsschriften dargelegt wird, ob u.a. eine Mediation vorausgegangen ist und, ob dieser Gründe entgegenstehen (§ 253 III Nr. 1 ZPO; § 23 I 2 FamFG).

Sowohl im Zivilprozess als auch in einem familiengerichtlichen Verfahren kann das Gericht u.a. eine Mediation vorschlagen (§ 278 a ZPO; § 36a FamFG), sowie die Teilnahme an einem Informationsgespräch über die Mediation anordnen (§§ 135 u. 156 I 3 FamFG).

 

Worin liegt der Vorteil der Mediation gegenüber dem streitigen Gerichtsverfahren?

Die Mediation ist ein Instrument, das es erlaubt, die Spielräume, welche uns das Recht gibt, selbst zu nutzen; denn bis auf wenige Ausnahmen ist unser geltendes Recht dispositiv, d.h. offen für alternative Regelungen. Innerhalb der Mediation wird zwar auch die Rechtslage beleuchtet. Je nach Interessen- und Bedürfnislage kann jedoch eine kreative Lösung erarbeitet werden, die davon abweicht.

Mediation bedeutet also auch, dass der Mensch noch im Konflikt selbst sein Geschick in der Hand behält. Wird der Weg einer gerichtlichen Auseinandersetzung gewählt, wird die Entscheidung abgegeben an das Gericht. Das Gericht hat die Aufgabe, die unbestrittenen oder beweisbaren Sachverhalte in juristische Tatbestände zu subsumieren und eine Entscheidung nach den dort festgeschriebenen Rechtsfolgen zu treffen.

Kurz gesagt: Im streitigen Verfahren ist der Blick des Gerichts auf das Vergangene gerichtet. Es kann die Bedürfnisse der Parteien im Allgemeinen nicht zur Grundlage seiner Entscheidung machen. In der Mediation ist der Fokus auf das Zukünftige gerichtet, auf die Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen.

Die Lösung basiert also auf eigenen, nicht auf fremden Erwägungen.


Welche Kosten sind mit einer Mediation verbunden?

Die Mediation wird auf Basis der benötigten Zeit berechnet. Je nach Bedeutung und Schwierigkeit des Falles, aber auch der finanziellen Möglichkeiten der Parteien beläuft sich das Stundenhonorar auf 170.- bis 250.- Euro zzgl. 19% Umsatzsteuer. Besteht der Auftrag nach einer erfolgreichen Mediation auch in der Erarbeitung eines dem Ergebnis entsprechenden Vertrags, fällt eine Gebühr nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (§§ 2, 13 RVG i.V.m. Nr. 1000 VV RVG) an, die abhängig ist von dem jeweiligen Gegenstandswert.


Welche Risiken sind mit einer Mediation verbunden?

Die Mediation kann ohne allseitige Informiertheit nicht gelingen. Daher steht der Mediator im Falle einer doch streitigen Auseinandersetzung weder einer Partei als Anwalt noch im Gerichtsverfahren als Zeuge zur Verfügung. Die im Mediationsverfahren gewonnenen Informationen dürfen grundsätzlich nicht in einem streitigen Verfahren gegen die andere Partei verwendet werden (§ 4 MediationsG).

Da das Mediationsverfahren jederzeit beendet werden kann und jederzeit alternative Verfahren in Anspruch genommen werden können, sind Nachteile im Sinne einer Sperrwirkung damit nicht verbunden.


Was ist Cooperative Praxis (engl.: collaborative practice)?

Hier tritt jede Streitpartei mit dem jeweils eigenen Rechtsanwalt auf, der im Gegensatz zum Mediator die Interessen seines Mandanten bzw. seiner Mandantin vertritt. Die Besonderheit in diesem Verfahren ist grundsätzlich, dass beide Anwälte, meist Mediatoren, die eine Ausbildung in kooperativer Praxis besitzen und sich deren Regeln verpflichtet haben, das Verfahren zielorientiert leiten. Auch hier ist das Ziel die Erarbeitung einer Streitbeilegenden Lösung.

Im Vorfeld wird zur Sicherstellung nicht zuletzt des geschützten Raums, in welchem die Parteien und Anwälte die konstruktive Konfliktauflösung anstreben, eine Vereinbarung geschlossen, die es den Anwälten verbietet, im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen die Mandanten auch vor Gericht zu vertreten. Auch hier stehen die Anwälte in einem gerichtlichen Verfahren als Zeugen für das, was in den Verhandlungen offengelegt worden ist, nicht zur Verfügung. Hiervon gibt es nur sehr begrenzte Ausnahmen, wie z.B. bei unmittelbar zu befürchtender Kindeswohlgefährdung oder konkreter Vorbereitungen von Verbrechen.

Eine weitere Besonderheit ist, dass zu diesen Verhandlungen weitere Berufsträger als Experten für bestimmte Fachgebiete eingebunden werden können. Dies können z.B. Berater, (Kinder-)Psychologen, Finanzexperten oder sonstige Sachverständige sein, welche im Falle des Scheiterns der Verhandlungen auch nicht als Zeugen in einem Gerichtsverfahren zur Verfügung stehen würden; es sei denn, dies wäre aus Kostengründen ausdrücklich vorher so vereinbart.

Während des laufenden Verfahrens verpflichten sich die Beteiligten zu einem offenen und zielorientierten Austausch sowie dazu, keine wesentlichen Änderungen von Zuständen, die das Verfahren betreffen, vorzunehmen. Auch dürfen keine gerichtlichen Maßnahmen die Verhandlungsgegenstände betreffend im laufenden CP-Verfahren ergriffen werden. Daneben vereinbaren die Beteiligten, dass die Verjährung von Forderungen, die Gegenstand der Verhandlung sind, solange gehemmt ist. Die CP-Verhandlungen können aber jederzeit abgebrochen werden.

Denkbar ist es in bestimmten Fällen, dass die CP-Anwälte auch ohne die Mandanten (weiter)verhandeln. Umgekehrt können aber, je nach Bedürfnis, z.B. acht Personen am Verhandlungstisch sitzen.